Geschichte
Die im ausgehenden 19. Jahrhundert für Kommerzienrat Wilhelm Meyer errichtete Villa veranschaulicht in höchst anspruchsvoller baukünstlerischer Gestaltung bürgerlichen Bau- und Repräsentationswillen, der sich mit Auffahrt, gestalteter Gartenanlage, Nebengebäuden sowie in der großzügig angelegten Gestaltung und Organisation des Eckgrundstückes mit straßenbegleitender und das Grundstück umschließender Einfriedung darstellte.
Trotz des Verlustes der Nebengebäude und der parkähnlichen Gartengestaltung sowie der den ursprünglichen Zusammenhang störenden derzeitigen Nutzung der Teilflächen ist nicht zuletzt durch die Einfriedung der historische Umgriff nachvollziehbar.
Die Villa wurde an der Ecke der Clara-Zetkin-Straße und der Berliner Straße errichtet. Der zweigeschossige Bau mit ausgebautem Mansardendach ist mit aufwendigen baulichen Details gestaltet.
Treppengeländer am oberen Podest
mit schmiedeeiserner Geländerfüllung
Wandgestaltung im Salon
Die Fassaden sind stark plastisch ausgebildet mit Säulen, Pilastern, steinernen Balustraden und aufgesetzten Giebeln. Die Rundbogenfenster sind mit aufwendigen Faschengestaltungen umrahmt, ein dreigeschossiger sechseckiger Turm bildet auch mit dem Verlust des Turmdaches eine markante Eckgestaltung.
Der Haupteingang hat eine überdachte Vorfahrt, der Nebeneingang ist zugleich Wirtschaftsaufgang.
Im Erdgeschoss befinden sich das Foyer und die Haupttreppe, eine Empfangshalle und Repräsentationsräume, sowie ein Wintergarten. Vom Salon aus erreicht man den Park über eine Freitreppe.
Im Obergeschoss befanden sich Schlaf-, Kinder- und Gästebereich. Im Dachgeschoss waren Bediensteten- und Wirtschaftsräume ausgebaut.
Die Innenausstattung ist sehr aufwendig gestaltet. Besonders das Erdgeschoss mit dem großen Empfangssaal beeindruckt durch die plastische, farblich gefasste Deckengestaltung.
Im Empfangssaal ist seitlich eine separate Garderobe für Besucher angeordnet, so wurde schon im Entwurf des Hauses den gesellschaftlichen Erfordernissen des Hausherren entsprochen.
Das große Treppenhaus mit stark dimensionierten Geländerpostamenten scheint das Raumgefüge zu beherrschen.
Das Innenraumkonzept ist mit zwei Oberlichtern ausgestattet, um die große Baumasse mit Tageslicht zu versehen. Das große Oberlicht bringt den Lichteinfall über zwei Geschosse in die Eingangshalle. Das kleinere Oberlicht erhellt einen Innenraum. Die bauzeitlichen Wand- und Deckengestaltungen sind teilweise noch existent und jedes Zimmer entsprechend der Nutzung differenziert gestaltet, mit wandfesten Bekleidungen und Einbauschränken, abgestimmt dazu die Gliederungen und farblichen Fassungen der Wände.
Im Musikzimmer sind in dem Deckenfries vier kleine Engelsfiguren jeweils mit einem Musikinstrument in den Händen als Relief eingearbeitet und im Herrenzimmer sind Wandgestaltungen mit Schränken und Nischenbekleidungen noch erhalten.
Die tatsächliche Wirkung der Innenräume erschließt sich zur Zeit an Hand der restauratorischen Befunduntersuchungen. Die Suchschritte zeigen kräftige Farbtöne und die Bronzierungen unterstreichen die Wirkung der stark plastischen Gestaltungsdetails.
-ag-
Decke im Salon – im vertieften Mittelfeld
Rosette im rechteckigen Feld
Decke im Salon – Raumecke, große Rosette mit hängenden Pinienzapfen
Bauherr
Johann Theodor Wilhelm Meyer
Architekt:
unbekannt
Standort:
früher: Adelheidstraße heute: Clara-Zetkin-Straße
Baujahr:
1883
verstarb Johann Theodor Wilhelm Meyer
Stiftung für das Geraer Waisenhaus, Goldenes Buch der Stadt Gera
Sohn Ernst zog in das Haus, heiratete in die Familie Weißflog
kleine bauliche Veränderungen im Erdgeschoss durch Architekt Carl Zaenker
kleine bauliche Veränderungen im Erdgeschoss durch Architekt Carl Zaenker
Konkurs der Kammwollweberei (Morand & Co. und Friedrich E. Weißflog)
Verkauf der Villa
Nutzung durch die "Ostthüringische Industrie- und Handelskammer"
Veränderung Einfriedung
kleine bauliche Veränderungen im Erdgeschoss durch Architekt Carl Zaenker
mehrere Eigentümer
Erwerb durch die WRV Gruppe / Revitalisierung geplant
Derzeit ist das Gebäude leerstehend und sanierungsbedürftig.
Geschichte